PG 11: Hilfsmittel gegen Dekubitus – Lagerung

Die Produktgruppe (PG) 11 des Hilfsmittelverzeichnis des GKV Spitzenverbandes, umfasst im alle Hilfsmittel gegen Dekubitus.
Dem vorliegendem „Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ kann weder der interessierte Laie noch die ambitionierte Pflegefachkraft, praxisnahe Tipps oder Entscheidungshilfen entnehmen, da die Studienlage nicht eindeutig ist.

Um dennoch Maßnahmen zu ergreifen, welche das Entstehen eines Druckgeschwüres (Dekubitus) verhindern, sollte sichergestellt werden, dass:

– die Fähigkeit zum Selbständigen handeln gefördert und/oder erhalten bleibt

– die Betroffenen, Hilfe und Unterstützung im Bereich der Mobilität erhalten

– Hilfsmittel zur Dekubitus-Prophylaxe rechtzeitig zum Einsatz kommen

– die Ernährungssituation des Betroffenen regelmäßig überprüft und ggfs angepasst wird

– auf eine intakte Haut geachtet wird

– bei zunehmender Immobilität, der Situation angemessene Hilfsmittel zum Einsatz kommen

– bei Immobilität Lagerungstechniken und Lagerungshilfsmittel Anwendung finden

 

Lagerungstechniken:

  • Mikrolagerung: kann bei jedem Patienten zur Anwendung kommen wenn diesem ein selbständiger Lagewechsel nicht mehr möglich ist. Mit Hilfe eines Handtuches, welches entweder gerollt oder dreifach gefaltet wird, erzielt man Druckverteilung (z.B. an Hüfte, Ferse oder Schultern) durch Unterlegen des Handtuches sowie häufiger Positionswechsel
  • Freilagerung: gerade an den druckgefährdeten Fersen entstehen häufig Rötungen oder bläulich-violette Verfärbungen der Haut. Um diese nach Möglichkeit zu verhindern bietet sich die Freilagerung der Fersen an. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass die Lagerung der Anatomie folgt um ein Durchdrücken der Knie zu vermeiden. Die einfachste Variante lässt sich mit zwei Kopfkissen realisieren aus denen „Schiffchen“ geformt werden, mit deren Hilfe man den gesamten Unterschenkel, und somit die Fersen „Frei“, lagern kann.
  • 30° Schräglagerung: dabei werden zwei große Kissen benötigt von denen eins im Bereich der Wirbelsäule und das zweite im Bereich des Oberschenkels geschoben werden um Druckgefährdete Körperstellen zu entlasten
    • dies kann auch mit Hilfe einer der Länge nach gefalteten Decke unterhalb der Matratze erfolgen
  • 135° Lagerung: diese Lagerungsvariante findet Anwendung bei vorliegenden Druckgeschwüren im Bereich des Steißbeins. Hierbei werden Kissen im Bereich des Oberkörpers sowie der entsprechenden Hüftseite und des Oberschenkels eingesetzt. Der Betroffene liegt hierbei „auf dem Bauch“.
  • V-A-T-I: für die Lagerung nach dem V-A-T-I Prinzip, benötigen Sie zwei zu Schiffchen geformte Kopfkissen
    • V: eine Lagerungsvariante welche zu einer intensiveren Belüftung der Lungenspitzen sowie der Flanken führt. Hierbei werden die Kissen in Form eines „V“  unter den Oberkörper des Betroffenen gelegt, wobei die Kissenspitzen sich unter dem Gesäß kreuzen. Der Kopf wird mit Hilfe eines Kissen separat gestützt
    • A: diese Lagerung dient der besseren Belüftung der oberen Lungenbereiche. Hierbei werden ebenfalls zwei geformte Kissen unterhalb des Oberkörpers gelegt, bei denen sich die Spitzen unterhalb der Schultern kreuzen. Der Kopf wird auch hier von einem separatem Kopfkissen gestützt
    • T: diese Lagerung führt zur Dehnung des Brustkorbes und somit zu einer besseren Belüftung der gesamten Lunge. Zwei, zu Schiffchen geformte Kissen, werden in Form eines „T“ im Bereich der Wirbelsäule und der Schultern gelegt. Um ein Überstrecken des Kopfes zu verhindern sollte man das „T“ nach oben hin mit einem Kopfkissen verlängern.
    • I: dient ebenfalls der besseren Belüftung sämtlicher Lungenareale. Hierbei kommt ein Schiffchen zum Einsatz welches unter die Wirbelsäule gelegt wird. Ein weiteres Kissen stützt den Kopf.
Bei seitlichen Lagerungen des Oberkörpers ist darauf zu achten, dass die Schulter „vorgezogen“ ist.

Um Verletzungen im Schultergelenk, an Sehnen und Bändern zu verhindern, positioniert man eine Handfläche unter der Schulter und greift mit der anderen Hand am Unterarm entlang wobei die greifende Hand im Bereich der Ellenbeuge zufasst.

Der Arm kann nun positioniert werden, während die Schulter dabei gestützt wird.

PG 11: Hilfsmittel gegen Dekubitus – Lagerung

Neben den in dieser Reihe schon vorgestellten Weichlagerungs- und Wechseldruckmatratzen lassen sich mit Hilfe eines, beim behandelnden Arzt angeforderten, Rezeptes auch sogenannte „statische Positionierungshilfen“ über die GKV beziehen.

Diese haben, gegenüber den in der Pflege zum Einsatz kommenden Kissen und Decken, den Vorteil, dass diese atmungsaktiv, wasserdicht, abwaschbar und wischdesinfektionsfest sind.

Ein nicht zu vernachlässigender Hygiene-Aspekt gerade im Bereich der Inkontinenz oder der Besiedlung mit pathogenen Keimen.

Die Lagerung von Menschen auf Weichlagerungs- oder Wechseldrucksystemen entlässt nicht aus der Pflicht des regelmäßigen Positionswechsel, da diese Anti-Dekubitus-Systeme nur als „Therapieunterstützende“ -Systeme anzusehen sind.

Im Hilfsmittelverzeichnis PG 11:Hilfsmittel gegen Dekubitus finden sich unter 11.11.05. Statische Positionierungshilfen, über die GKV zu beziehende Hilfsmittel für Extremitäten, sowie die Teil,- oder Ganzkörperpositionierung.

Einen guten Überblick über die zur Verfügung stehenden Lagerungskissen und Hilfsmittel gibt hier zum download zur Verfügung stehende Lagerungsfibel.

Mit Hilfe der Lagerungsfibel lassen sich gezielte Rezeptanforderungen beim Arzt realisieren, da man diesem für seinen Rezeptwunsch die Produktbezeichnung und die Hilfsmittelnummer nennen kann.

Hinweis für den Arzt:

Hilfsmittel können nach wie vor zu Lasten der GKV verordnet werden.

  • Die Hilfsmittelverordnung belastet kein Arznei-, Verband- oder Heilmittelbudget.
  • Regressrelevante Richtgrößen werden nicht für Hilfsmittel festgelegt.
  • Es kann weiterhin eine namentliche Verordnung eines Hilfsmittels vorgenommen werden
  • Bei Hilfsmitteln besteht keine Gefahr von Ausgleichszahlungen über die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Author: admin

Hallo, ich bin Uwe und als Admin der pflegefabrik.de verfüge ich über 30 Jahre Berufserfahrung als examinierter Krankenpfleger in den verschiedensten Bereichen unseres Gesundheitssystems. Während dieser Zeit sammelte ich langjährige Erfahrungen im intensivmedizinischen Bereich einer Akutklinik, im Pflegedienst und stationären Altenpflegebereich, qualifizierte Menschen als Dozent in der Basisqualifikation und bin als Wundexperte ICW, Ernährungs- und Dekubitusmanager im Aussendienst eines Home Care Dienstleisters tätig. Feedbacks sind erwünscht

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